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Oktober 2011

Stoff zum Nachdenken

Weshalb „muss” ich?

Ich glaube, dass wir das einzige Tier auf dem Planeten sind, das eine „Soll-” bzw. eine „Muss”-MentalitĂ€t besitzt.

Hast Du jemals innegehalten und darĂŒber nachgedacht, wie oft Du dieses „M“-Wort benutzt? Zum Beispiel sagen wir Kindern stĂ€ndig, dass sie dies oder jenes tun sollen oder mĂŒssen. Auch ist es nicht ungewöhnlich, seinen Arbeitnehmern aufzutragen, dass sie etwas tun mĂŒssen bzw. sollen; selbst Lehrer benutzen solche Worte. Sie sind auf gewisse Art zum gemeinsamen Thema unserer Leben geworden.

Dies ist jedoch nicht der beste Weg, sein Ziel zu erreichen. Ich weiß, zum Beispiel, dass wenn ich etwas tun „soll“ oder „muss“, ich instinktiv das Gegenteil tue oder mich auf irgendeine andere Weise dagegen auflehne. Ich denke, dass wir alle so reagieren. Das Wort „muss“ bzw. „soll” gleicht einer Kraft, die einen zwingt, etwas zu tun. In der Natur folgt auf jede Kraft eine entgegengesetzte, so dass sich erneut ein Gleichgewicht einstellt. Wird man geschubst, stemmt man sich instinktiv dagegen - man schubst regelrecht zurĂŒck, was nichts anderes als eine natĂŒrliche Reaktion ist. WĂŒnscht man also einem Mitmenschen nur das Beste, wird die Aufforderung, etwas tun zu mĂŒssen, nicht die beste Art sein, das Ziel zu erreichen, sei es zuhause, in der Schule, oder am Arbeitsplatz. Es sind SĂ€tze wie etwa „Du musst Dich beeilen, sonst kommst Du zu spĂ€t“, „Du musst Deine schulischen Leistungen verbessern“ und der Klassiker, der bei Kindern oft eingesetzt wird, „Du musst versuchen besser zu werden“. Letzterer ist im Grunde ein Widerspruch in sich. Das Wort „versuchen“ ist negativ behaftet, schließlich impliziert es, dass man versagen wird. Der Zusatz „muss“ fĂŒhrt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass man genau das Gegenteil des GewĂŒnschten erreicht.

Wenn man jemandem auftrĂ€gt, etwa das Auto zu waschen, den Rasen zu mĂ€hen, pĂŒnktlich bei der Arbeit sein zu mĂŒssen, ist es unwahrscheinlich, dass dieser sich inspiriert fĂŒhlt, einem diesen Wunsch zu erfĂŒllen. Wenn man ihn jedoch um Hilfe beim Autowaschen bzw. Rasen mĂ€hen bittet, wird die Reaktion eine völlig andere sein. Wir sind alle bereit, jemandem zu helfen, jedoch nicht, dazu gezwungen zu werden. Das Geheimnis liegt in der Wahl; nimmt man einem Menschen die Möglichkeit zu wĂ€hlen, regiert der Unmut. WĂŒrde man etwa einem Fremden auf der Straße befehlen, einem den Weg zu beschreiben, wĂŒrde man sicherlich eine rasche Antwort erhalten. Bittet man jedoch freundlich um Hilfe bei der Suche einer Adresse, stĂ¶ĂŸt man auf Freundlichkeit.

Wir sind nicht geboren um Sklaven zu sein und nach den Erwartungen anderer zu leben. Wir sind in Freiheit auf die Welt gekommen und es gefĂ€llt uns, wĂ€hlen zu dĂŒrfen. Von keinem anderen Tier auf dem Planeten wird erwartet, dass es sich nach den Worten „muss“ oder „soll“ richtet. Tiere handeln nach Belieben - ohne jeglichen Druck - und so wollen auch wir Menschen leben.

Wir mögen es alle, um Hilfe gebeten zu werden, doch mögen wir es nicht, wenn uns aufgetragen wird, dass wir etwas tun mĂŒssen oder sollen.

Das weitaus grĂ¶ĂŸere Problem liegt darin, dass wir uns selbst unter Druck setzen. Wie oft sagt man sich selbst „Ich muss“ bzw. „Ich soll“? Ohne sich darĂŒber im Klaren zu sein, setzt man sich damit unter beachtlichen emotionalen Druck. Letztendlich kann man sich ja kaum selbst widersetzen und doch ist es genau das, was man schließlich tut.

Wenn man sich sagt, dass man etwas tun muss oder soll, wird man sich auf tiefer emotionaler Ebene dagegen widersetzen, was wiederum die ĂŒblichen Stressreaktionen in Gang setzt. Man zwingt sich selbst anhand des „MĂŒssens“ und wird sich dagegen wehren, das zu tun, was man „muss“. Jede Woche werde ich von Menschen aufgesucht, deren einziges Problem es ist, dass sie Sklaven ihrer eigenen Gedanken sind. Sie ĂŒben selbst den Druck aus, den sie verspĂŒren: „Ich muss dies oder jenes tun“ oder schlimmer noch „Ich muss dies oder jenes haben“. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil des Stresses, ĂŒber den heutzutage geklagt wird, auf ein GefĂŒhl zurĂŒckzufĂŒhren ist, dass wir bestimmte Dinge tun oder haben „mĂŒssen“. Man sollte sich sagen, dass man dies oder jenes tun oder haben will; augenblicklich wĂŒrde sich der Druck in Luft auflösen.

Wer Dinge nur deshalb tut, weil er oder sie „muss“ bzw. „soll“, wird an einer Vielzahl durch Stress ausgelöster Krankheiten – wie etwa dem Burnout-Syndrom – leiden. Das Leben sollte ruhig und harmonisch, ohne Druck verlaufen. Das Wort „mĂŒssen“ ist ein negatives. Jegliche Kraft, die entgegen unserer natĂŒrlichen Neigungen wirkt, ist eine negative und kann einem eine Menge Energie rauben. Solche Menschen etwa, die das Wort „mĂŒssen“ zum Lebensmotto gemacht haben, werden nicht die VitalitĂ€t haben, die Menschen besitzen, die leben, weil sie es so wollen. Etwas zu tun, weil man es gern tun möchte, ist eine Ă€ußerst positive Energie, die die Lebenskraft ergĂ€nzt.

Es sind gar nicht so sehr die Lebensmittel, die wir zu uns nehmen oder die Arbeit, die wir verrichten, die uns krank machen, sondern viel eher der Druck der modernen Gesellschaft. Werbung ist voll des Wortes „mĂŒssen“ – Du musst dies oder jenes tun oder haben, Du „musst“ dies und „solltest“ jenes nicht essen. Die Medien ĂŒben Druck aus, auf dass wir Menschen ihren Rat befolgen. Was sind es jedoch fĂŒr Menschen, die uns zu ihren Sklaven machen wollen? Anders zu sein, so scheint es, ist anormal. Wir sind alle einzigartig und werden kaum auf andere hören wollen, nur weil sie behaupten, dass es zu unserem Vorteil ist. Niemand wird von mir eine positive Reaktion erhalten, der mir sagt ich sollte oder ich mĂŒsste
 Auf diese Weise bleibe ich glĂŒcklich, ruhig und stressfrei, ohne Druck von außen oder innen.

Jedes Wort, das man denkt – ja, denkt und nicht sagt – löst in einem eine emotionale Reaktion aus. Denkt man beispielsweise an das Gehen, setzt man sich in Bewegung bzw. bereiten sich der Körper und die Emotionen darauf vor, dass man sich in Gang setzen wird. Wer auch nur 10 Minuten lang Wut verspĂŒrt, wird 24 Stunden davon zehren mĂŒssen. Der Grund des Grolls mag zwar nach Minuten verflogen sein, doch die chemischen Substanzen, die der Körper in solchen Momenten ausschĂŒttet, mĂŒssen erst einmal durchs System und verarbeitet werden. Wer an etwas SĂŒĂŸes und Saftiges denkt, wird den Speichelfluss aktivieren. Auf die gleiche Weise wird der Gedanke, etwas tun zu „mĂŒssen“, den Körper mit tiefem Groll reagieren lassen, der wiederum Substanzen, die Aggression schĂŒren, ausschĂŒtten wird. Auf keinen Fall ist dies gesund.

Achte in den nĂ€chsten Tagen darauf, wie oft Du Dir selbst oder anderen sagst, etwas tun zu „mĂŒssen“. Du wirst dabei jedes Mal Deine Physis und Emotionen gesundheitsschĂ€digendem Stress aussetzen. Alles, was man tun braucht, ist den Begriff „muss“ durch „möchte“ zu ersetzten. So einfach ist es, frei und glĂŒcklich z sein

Es ist an der Zeit, in Freiheit und im Einklang mit den eigenen Gedanken zu leben und die Kinder vom „MĂŒssen“ zu befreien. Sie sind nicht auf die Welt gekommen, um Sklaven Deiner Erwartungen zu sein.

Malcolm.

 

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